Wer psychotherapeutische Hilfe braucht, sieht sich einem kaum überschaubaren Dschungel gegenüber: es gibt Psychiater und Psychotherapeuten, Psychologen
und Heilpraktiker: und die Anzahl der Methoden im psychotherapeutischen Bereich alle einfach nur aufzuzählen, würde schon ein halbes Buch füllen. Ich möchte daher einige Orientierungspunkte geben, die
es erleichtern, sich bei dieser Suche erfolgreich
zurechtzufinden.
Seit dem 1. Januar 1999 ist das Ich habe die
Änderungen, die das Gesetz mit sich bringt, in den Artikel eingearbeitet. Als weitergehende Information gibt es inzwischen auch ein Buch von Paul Hiss zu diesem Thema: "So finden Sie den richtigen Therapeuten".
Titel und Berufe: Wer ist was und kann was? Psychotherapeut war bisher kein geschützter Titel: jetzt darf sich nur so nennen, wer eine staatliche Anerkennung als ärztlicher oder psychologischer Psychotherapeut
hat.
Es gibt aber immer noch unterschiedliche Berufsbezeichnungen und Ausbildungen. Daher ist es wichtig, sich über die berufliche Qualifikation eines Psychotherapeuten zu informieren.
Grundsätzlich kann man drei Arten von Psychotherapeuten unterscheiden: Ärztliche Psychotherapeuten
Psychologische Psychotherapeuten Andere Psychotherapeuten
Ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten haben ein abgeschlossenes Es gibt im ärztlichen Bereich noch die Unterscheidung zwischen Psychotherapeut und Psychiater. Ein Psychiater hat nicht unbedingt eine psychotherapeutische
Ausbildung, sondern ist spezialisiert im Bereich Psychiatrie, kennt sich also vor allem in der Behandlung schwerer Persönlichkeitsstörungen und Psychosen aus und setzt dabei vorwiegend auf medikamentöse Behandlung. Manche Die Ausbildung zum Psychotherapeuten wird von privaten Therapieinstituten und
-gesellschaften angeboten und durchgeführt. Diese müssen allerdings staatlich anerkannt sein, wenn der Therapeut eine Approbation und Kassenzulassung erwerben
möchte.
Derzeit werden aber nur zwei Therapieformen von der Kassenärztlichen Vereinigung als wissenschaftlich fundiert anerkannt und werden, sofern sie von einem zugelassenen Ärztlichen oder Psychologischen Psychotherapeuten durchgeführt
werden, von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt: Psychoanalyse bzw. tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Verhaltenstherapie. Dies entspricht zwar nicht dem derzeitigen Stand der Wissenschaft und es ist
zu hoffen, dass in den nächsten Jahren auch weitere Verfahren aufgenommen werden. Die Behandlung bei psychologischen Psychotherpeuten und ärztlichen Psychotherapeuten werden von den Kassen bezahlt, allerdings dürfen nur die
oben genannten Verfahren angewandt werden. Die dritte Kategorie von Psychotherapieanbietern ist sehr inhomogen. Meistens sind es Heilpraktiker, die eine psychotherapeutische Ausbildung gemacht haben. Es können aber auch
andere Berufsgruppen wie Pädagogen, Sozialarbeiter sein oder auch Leute, die irgendeinen anderen Beruf gelernt haben und jetzt psychotherapeutisch arbeiten. Hier ist es besonders wichtig, sich über die berufliche und speziell
psychotherpeutische Ausbildung zu informieren, bevor man sich auf eine Behandlung einläßt. Eine Behandlung bei einem Psychotherapeuten, der Heilpraktiker ist, wird von manchen privaten Krankenkassen bezahlt, ist aber in der
Regel selber zu zahlen. Methoden: Warum so viele und welche für mich? Es gibt hunderte von psychotherapeutischen Methoden. Sie lassen sich jedoch in fünf Hauptgruppen
einteilen.
Psychodynamische (oder psychoanalytische) Therapien Verhaltenstherapeutische Therapien Familientherapien und Systemische Therapien Humanistische Psychotherapien
Transpersonale Psychotherapien Es würde zu weit führen, diese verschiedenen Ansätze hier auch nur annährend zu erklären. Ich kann nur auf die Literatur zu diesem Thema
verweisen.
Außerdem muß man bedenken, daß viele Psychotherapeuten methodenübergreifend arbeiten. Das heißt, sie wenden eine persönliche Mischung verschiedener Methoden und Stile an, oftmals jedoch mit einer bestimmten Grundorientierung. Daher
ist es sinnvoll, sich in einem Vorgespräch erläutern zu lassen, wie ein Therapeut arbeitet. Wie finde ich nun meinen Therapeuten? Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Am besten ist sicherlich die persönliche Empfehlung von
jemanden, der bei diesem Therapeuten in Behandlung war oder ist. Aber man kann auch seinen Haus- oder Facharzt fragen, ob der jemanden empfehlen kann.
In die Gelben Seiten unter der Rubrik "Psychotherapie" nachschauen. Auch die Krankenkasse gibt einem Versicherten auf Anfrage eine Liste der Therapeuten, die von der Kasse bezahlt werden - aber eben nur
Psychoanalytiker und Verhaltenstherapeuten. Schließlich gibt es den Dieser Informationsdienst kann von jedem Interessenten
kostenlos in Anspruch genommen werden und ist unter der Telefonnummer 0228/74 66 99 zu erreichen. Ein weiteres Psychotherapeutenregister finden Sie beim DPTV (Deutscher Psychotherapeutenverband) unter der Adresse Woran erkenne ich, daß dies der richtige Therapeut für mich ist?
Psychotherapie hat nach meiner Erfahrung zwei wesentliche Aspekte: die Methode und die Person des Therapeuten. Nicht jede Methode ist für jeden gleichermaßen geeignet. Leider ist die Psychotherapieforschung noch nicht
soweit, daß man auf eine befriedigende Weise sagen könnte, welche Methode für welche Störung und für welchen Persönlichkeitstyp die beste ist. Daher muß jeder potentielle Psychotherapieklient für sich selber herausfinden, welche
Methode ihn besonders anspricht. Es gibt Bücher, in denen die verschiedenen Psychotherapiemethoden beschrieben werden; und man sollte sich auch bei Freunden und Bekannten
umhören.
Dabei muß man sich darüber im klaren sein, daß derzeit nur psychoanalytische Psychotherapie und Verhaltenstherapie von den Krankenkassen ohne weiteres bezahlt werden. Das ist also das erste: die Methode muß stimmen, muß einen
ansprechen. Es hat keinen Zweck, sich auf eine Form der Psychotherapie einzulassen, bei der man kein gutes Gefühl hat. Genauso wichtig ist aber die Person des Therapeuten. Denn Psychotherapie ist eine Beziehung zwischen zwei
Menschen und in dieser Beziehung wird die jeweilige Methode angewandt. Daher kann Psychotherapie nur dann wirken, wenn diese Beziehung stimmt. Der Klient muß dem Therapeuten vertrauen können; muß sich bei ihm sicher und
respektiert fühlen. Wenn dieses Vertrauen nicht da ist, wenn ein Klient das Gefühl hat, bei diesem Therapeuten nicht alles sagen zu können, dann ist das ein ernstes Warnsignal, das wahrscheinlich bedeutet, daß dies nicht der
richtige Therapeut ist. Um also den richtigen Therapeuten zu finden, ist auf jeden Fall ein Vorgespräch zum persönlichen Kennenlernen notwendig. Die meisten Therapeuten bieten auch einige Probesitzungen an.
Der richtige Therapeut? Dabei ist es wichtig, auf den eigenen Eindruck zu achten: Schon beim ersten Anruf: Ist der Klang der Stimme des Therapeuten sympathisch?
Dann im Gespräch: Nimmt er sich Zeit für mein Anliegen? Antwortet er ausführlich auf meine Fragen? Welche Ausbildung hat er? Wo liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit? Hat er mit meinem Problem Erfahrung? Welche Form der
Arbeit erwartet mich, und was erwartet er von mir? Gibt er genügend Zeit, sich kennenzulernen? Wie lange dauert voraussichtlich die Therapie? Die ersten Stunden prüfen: Wie geht der Therapeut mit mir um? Fühle ich mich
angenommen oder von ihm bedrängt? Wie reagiert er auf eventuelles Unwohlsein? Dann kommt aber noch eines dazu: es sollte auch in absehbarer Zeit eine Erleichterung der seelischen Probleme und erste Ansätze von Veränderung
sichtbar sein. Abgesehen von einer psychoanalytischen Langzeittherapie, die auf Jahre angelegt ist, dauert eine psychotherapeutische Behandlung - je nach Schwere der Störung und dem methodischen Ansatz - durchschnittlich
zwischen 20 und 100 Stunden. Wenn daher nach 10 - 20 Sitzungen keine Erleicherung und keine Veränderung erkennbar ist, sollte man zumindest in Frage stellen, ob dies wirklich der richtige Therapeut ist. copyright Paul Hiss 1999 Mein ausdrücklicher Dank gilt Herrn Hiss für die Zustimmung obigen Text für meine Zwecke nutzen zu dürfen. |
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